Lange ging die Kindermedizin und damit auch die Gesellschaft davon aus, dass Babys vor der Geburt keine eigenen Gedanken, Gefühle oder Erinnerungen hatten und auch keinen Schmerz spüren konnten. Deshalb wurden Babys für gewisse Operationen bis zu den 50er-Jahren ohne Narkose operiert! Erst in den 60er- und 70er-Jahren wurde Narkose breitflächig für Babys eingesetzt, nachdem Studien bewiesen hatten, dass Babys sehr wohl Schmerzen spüren.
Langsam entwickelte sich die Erkenntnis, dass das Leben kontinuierlich verläuft und mit der Empfängnis beginnt. Die Geburt stellt dabei eine Art Unterbruch dar, weshalb wir uns an nichts vor der Geburt erinnern können, wobei unser Seelenleben bereits ab der Empfängnis existiert und das Zellgedächtnis alle gesammelten Eindrücke bewahrt. Manche Psychoanalytiker sagen, dass die Ereignisse der Monate vor der Geburt in symbolischer Form in unseren Träumen und in unserem Unterbewusstsein sehr wohl auftauchen und dass sie unser Handeln unaufhörlich bestimmen. Auf jeden Fall wirken diese Erinnerungsspuren auf das ganze weitere Leben.
Die Geburt selbst bedeutet eine körperliche und seelische Erschütterung und kann durchaus traumatisch für ein Baby sein. Wenn die Geburt für die Mutter belastend oder sogar traumatisch war, umso mehr für das Baby! Wenn wir nun etwas Belastendes erleben, ist eine natürliche Reaktion das Weinen. Es kann also sein, dass auch Babys weinen, um die schwierige Geburt auf diese Weise zu verarbeiten und sie nicht so sehr einen Nuggi/Schnuller oder die Brust brauchen, sondern Trost und Sicherheit.
Das Gleiche gilt für traumatische Erlebnisse während der Schwangerschaft. Wenn der Vater einen Wutanfall hat, leiden sowohl Mutter als auch Fetus. Das Baby kennt zwar nicht die Details, erfasst aber über den Hormonaustausch der Nabelschnur und andere Affekte, wie das mütterliche Herzrasen oder Muskelanspannungen, die physiologischen Folgen und Wirkungen der Gefühle. Dabei schaden negative Gefühle der Mutter, z.B. durch psychische oder physische Misshandlung, der Entwicklung und der Gesundheit des Kindes langfristig.
Die Mutter und ihr ungeborenes Kind stehen ab der Empfängnis in einer engen biologischen und psychischen Beziehung miteinander. Störungen in dieser Beziehung haben weitreichende Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes und können, meiner Meinung nach, spätere Verhaltensauffälligkeiten des Kindes erklären. Deshalb ist es wichtig, die Entwicklung der Kinder bereits in der Gebärmutter ab der Empfängnis zu schützen und optimal zu fördern, insbesondere bei werdenden Müttern, die durch Trauma oder besonderen Stresssituationen bereits vorbelastet sind.
*Fakten und Inhalt in grossem Teil mit Dank aus Hydas und Raffai (2002): Nabelschnur der Seele.
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