Das Leben fängt in der Gebärmutter an. Wie David Chamberlain (1996) sagte: „Die Gebärmutter ist die erste Schule des Lebens und wir alle haben sie besucht.“

Bindung entsteht bereits während der Schwangerschaft oder kann in dieser Zeit auch schon leiden, bzw. kann auch verhindert werden, sich zu entwickeln. Die Folgen für das weitere Leben des Kindes sind immens. Das bedeutet aber auch, dass die Schwangerschaft eine besondere Zeit der präventiven Möglichkeiten ist und zwar in Bezug auf alle Bereiche des Lebens: psychisch, kognitiv und körperlich.
Bereits seit fast fünfzig Jahren ist bekannt, dass der Einfluss des Umfeldes eine grössere Bedeutung im Leben des Ungeborenen hat als seine Gene (McGue, 1977). Viele verschiedene Untersuchungen zeigen, dass das Baby im Bauch mit allen seinen Sinnen auf sein Umfeld reagiert und zwar schon sehr früh, ab der 10.-15. Schwangerschaftswoche! Schmerzreaktionen wurden sogar schon ab der 6. Schwangerschaftswoche belegt! Dabei zeigt der Fetus auch verschiedene Emotionen. Manche Studien beweisen sogar, dass Babies im Bauch Trauer zeigen und sogar weinen können, in Kombination mit einer deutlichen Veränderung im Herzrhythmus.
Babies fühlen auch den seelischen Zustand der Mutter und zwar durch den gemeinsamen Hormonhaushalt, aber auch durch den taktilen Druck (z.B. durch Anspannung) oder veränderte Verdauungsgeräusche oder durch eine veränderte Stimmlage der Mutter und natürlich auch durch äussere Geräusche, z.B. bei einem Streit. Das Baby lernt, den veränderten Herzschlag und die anderen Veränderungen mit verschiedenen Gefühlen zu verbinden. Ab ca. der 20. Woche ist das Wahrnehmungssystem des Babys gleich weit entwickelt wie bei der Geburt.
Wenn nun also ein Baby unerwünscht ist oder die Mutter aufgrund ihrer eigenen Belastungen keine Bindung zu ihrem Kind entwickeln kann, dann hat das gravierende und andauernde Folgen für das Kind. Bindungsmangel kann zu Symptomen wie Drogen- und Alkoholsucht, Gewalt und psychischen Erkrankungen führen. Wir sollten uns also zur Prävention mit all unseren gesellschaftlichen Ressourcen auf die Schwangerschaft konzentrieren und der Schwangeren und ihrem Partner helfen, diese so wichtige Zeit gesund und mit einer starken Bindung abzuschliessen.
Rottmann (1974) konnte nachweisen, dass „das Neugeborene umso belasteter war, je konfliktreicher, ambivalenter und ablehnender die Mutter sich in Bezug auf ihr ungeborenes Kind verhielt.“ Diese mütterliche Haltung beeinflusst nicht überraschend auch die Geburt (länger und mehr Komplikationen) und die weitere Entwicklung des Kindes (intellektuell und emotional weniger gut entwickelt).
In einer grossen Pragerstudie wurden „unerwünschte“ Kindern ab 1970-1974 zwanzig Jahre lang untersucht. Am Schluss kam heraus, dass „die Behandlung der unerwünschten Kinder wegen Alkoholismus… fast doppelt so hoch wie die der Kontrollpersonen (war)… Bei den schwerwiegenden Straftaten erhöhte sich dieser Unterschied fast auf das Dreifache“ (Hydas und Raffai, 2002).
Wir müssen also erstens die Schwangerschaft als ungeheuer wichtige Zeit anerkennen und zweitens die Wichtigkeit der Bindung zwischen, in erster Linie, der Mutter und dem Fetus hervorheben.
*Fakten und Inhalt in grossem Teil mit Dank aus Hydas und Raffai (2002): Nabelschnur der Seele.
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